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Welche Blutbilder gibt es?

Eigentlich werden in der Medizin als Blutbilder nur die Analyse der Zusammensetzung des Blutes in Bezug auf die Blutzellen betrachtet. In der Umgangssprache hat sich aber eingebürgert, dass alles was man über eine Blutentnahme bestimmen kann als "Blutbild" bezeichnet wird.

Entsprechend gibt es aber auch nicht ein Blutbild, sondern je nachdem welche Fragestellung man hat, bestimmt man unterschiedliche Werte.

kleines oder rotes Blutbild

Im kleinen Blutbild (manchmal auch rotes Blutbild genannt) werden die Blutzellen (rote und weiße) sowie die Blutplättchen und die Verhältnisse analysiert.

Man bekommt hier einen Überblick über die Sauerstoffversorgung des Organismus. Hinweise darauf, ob Entzündungen vorliegen. Wie gut die Blutbildung funktioniert und ob genug Eisen und Vitamin B vorhanden ist.

großes oder weißes Blutbild

Im großen Blutbild (manchmal auch weißes Blutbild genannt) betrachtet man zusätzlich die verschiedenen Zelltypen der weißen Blutkörperchen. Also der Zellen die für die zelluläre Immunabwehr zuständig sind.

Leicht höhere Eosinophile sind bei gebarften Hunden völlig normal und ohne weitere Symptome nicht aussagekräftig. Tierärzte deuten das gerne als Hinweis auf eine Allergie. Das kann so sein, aber dann gibt es noch weitere Anzeichen. Nur auf Grund von erhöhten Eosinophilen von einer Allergie auszugehen, macht keinen Sinn.

Andere erhöhte Werte der weißen Blutzellen muss man dann immer im Zusammenhang mit evtl. vorhandenen Symptomen oder anderen Werten interpretieren.

Blutbild mit Organwerten (manchmal geriatrisch genannt)

Am häufigsten werden aber zusätzlich zum eigentlichen kleinen oder großen Blutbild noch weitere Werte genommen, die Rückschlüsse auf die Funktion der wichtigsten Organe geben.

Da es dabei größtenteils um Stoffwechselprozesse geht, spielt es hier in den meisten Fällen eine wichtige Rolle, dass der Hund ausreichend lange nüchtern war.

Leberwerte

In der Leber passieren sehr viele unterschiedliche Stoffwechselprozesse. Daher werden meist eine ganze Reihe von Parametern für deren Funktion erfasst.

Proteinstoffwechsel

Um Proteine zu verdauen braucht es einige Enzyme, die in der Leber hergestellt werden. Dazu gehören:

  • ALT (ALAT, GPT)
  • AST (GOT)
  • gamma-GT
  • AP (alkalische Phosphatase)

Deren Produktion steigt natürlich an, wenn es gerade etwas zu verdauen gibt. Damit die Messung nicht dadurch verfälscht wird, ist es wichtig, dass der Hund ausreichend lange nüchtern war.

Erhöhte Werte in diesem Bereich deuten darauf hin, dass die Leber ein Problem hat. Die Ursachen dafür können sehr vielfältig sein. Von einer Vergiftung über eine Reaktion auf ein Medikament bis hin zu einem Tumor, der entweder in der Leber selbst sitzt oder einen Gallenstau verursacht oder die Durchblutung verschlechtert. Wenn also die Aussage ist: erhöhte Leberwerte, muss man immer genau nachfragen, welche und worauf könnte das hin deuten und welche weitere Diagnostik muss dann daran anschließen.

Weitere Parameter um den Proteinstoffwechsel zu beurteilen sind:

  • Protein (Gesamteiweiß)
  • Albumin
  • Globulin
  • A/G-Quotient

Wenn der Proteingehalt im Blut niedrig ist oder Albumin niedrig ist, ist das ein Indiz dafür, dass die Leber nicht ausreichend arbeitet. Aber auch eine unzureichende Ernährung (bei Barf fast ausgeschlossen) kann eine Ursache sein.

Fettstoffwechsel

Die Leber ist auch direkt und indirekt (über die Galle) am Fettstoffwechsel beteiligt. Gallensäuren sind die aus dem Cholesterin gebildeten Moleküle, die bei der Fettverdauung benötigt werden. Bei Auffälligkeiten in diesem Bereich muss man immer auch an die Galle denken. Außerdem kann auch ein Problem der Bauchspeicheldrüse sowohl Ursache als auch Folge eines gestörten Fettstoffwechsels sein.

Die erhobenen Werte in einer Analyse sind:

  • Cholesterin
  • Triglyceride
  • Gallensäuren

Blutzucker

Auch wenn Hunde ihren Energiebedarf hauptsächlich durch Fett decken, braucht der Organismus einen gewissen Blutzuckerspiegel in Form von

  • Glucose

Diese wird in der Leber aus dem Glykogen gebildet, das den großen Energiespeicher des Hundes darstellt.

Leider können auch Hunde Diabetes entwickeln. Leider bleibt das oft lange unentdeckt, mit ähnlich schweren Folgen wie beim Menschen. Wenn daher bei einem ausreichend lange nüchtern gebliebenen Hund ein erhöhter Blutzuckerspiegel auffällt, sollte das unbedingt beachtet werden!

Entgiftung

Ein weiterer Marker für eine weitere Aufgabe der Leber ist das:

  • Bilirubin

Es entsteht beim ständigen Abbau der roten Blutkörperchen, die ja permanent erneuert werden müssen. Man kann aus diesem Wert selbst nichts direkt ablesen. Aber eine Erhöhung ist ein weiteres Indiz für ein Problem in der Leber.

Nierenprofil

Die Niere ist hauptsächlich dafür zuständig überflüssige Stoffwechselprodukte aus dem Organismus zu entfernen. Außerdem reguliert sie den Elektrolyt- und Wasserhaushalt.

Proteinstoffwechsel

Die drei wesentlichen Parameter zur Beurteilung der Nierenfunktion sind:

  • Harnstoff
  • Kreatinin
  • SDMA

Dabei ist der SDMA der empfindlichste. Alle drei sind stark davon abhängig, wie lange die letzte Nahrungsaufnahme zurück liegt. Wenn der Hund also nicht 12 Stunden nüchtern war, muss man die Werte mit Vorsicht betrachten.

Wenn man den Verdacht hat, dass die Nieren ein Problem haben, ist es auch immer eine Urinuntersuchung eine gute Idee. Dort kann man dann schauen, ob das spezifische Gewicht normal ist oder ob vermehrt Protein oder Glukose ausgeschieden wird.

Elektrolythaushalt

Die Nieren sorgen auch dafür, dass Elektrolyte und Wasser im Organismus gut reguliert sind. Die entsprechenden Parameter in der Analyse sind:

  • Calcium
  • Natrium
  • Kalium
  • Na/K-Quotient
  • Chlorid
  • Phosphat

Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen haben Abweichungen hier etwas mit der Ernährung zu tun.

Schilddrüsenprofil

Auch Hunde können eine Schilddrüsenüber- oder Schilddrüsenunterfunktion haben. Meist wird in einem Standardblutbild nur der TSH ermittelt.

Wenn dieser auffallend niedrig (Unterfunktion) oder erhöht (Überfunktion) ist und außerdem weitere Symptome bestehen, die auf ein Problem mit der Schilddrüse hinweisen, sollte man ein vollständiges Schilddrüsenprofil anfertigen lassen.

Eine Schilddrüsenstörung ohne ein dazu passendes Gewichtsproblem ist aber relativ selten. Also die Diagnose einer Unterfunktion bei einem schlanken Hund oder eine Überfunktion bei einem, der eher zu viel wiegt, sollte man zumindest mal hinterfragen.

Ein vollständiges SD-Profil sollte mindestens die Werte:

  • T4
  • fT4
  • T3
  • fT3
  • TSH

enthalten.

Zusätzlich kann man noch einige Antikörper überprüfen lassen. Allerdings helfen diese nur bedingt bei der Therapie.

  • Threoglobulin-AK (ATG)
  • T4-AK
  • T3-AK

Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse spielt eine zentrale Rolle in der Verdauung. Leider werden Probleme in diesem Bereich oft erst spät bemerkt und aus einer unentdeckten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kann sich eine Insuffizienz entwickeln.

Bauchspeicheldrüsenentzündung

Historisch wurden vor allem

  • DGGR-Lipase
  • alpha-Amylase

als Marker für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung interpretiert. Diese Marker haben nur das Problem, dass sie auch aus anderen Gründen erhöht sein können. Gleichzeitig können sie bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung unauffällig sein.

Daher wurde ein neuer Test entwickelt, der sehr viel präzisere Aussagen ermöglicht:

  • cPLi (canine pankreasspezifische Lipase)

Wenn dieser Wert erhöht ist, kann man sehr sicher von einer Bauchspeicheldrüsenentzündung ausgehen.

Exokrine Pankreasinssufizienz (EPI)

Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz kann die Bauchspeicheldrüse dauerhaft nicht mehr genug Verdauungsenzyme produzieren. Daraus ergibt sich, dass unzureichend vorverdaute Nahrung in den Darm gelangt und dort zu einer Störung der Darmflora führt.

Der Marker mit dem eine EPI gut diagnostiziert werden kann ist die

  • cTLI

Falls der Hund Symptome hat und der Wert im Graubereich ist, ist es sinnvoll nach 4-6 Wochen eine Nachuntersuchung zu machen. Man kann bis dahin schon Enzyme füttern, das hat keine Auswirkungen auf die Messung.

BARF-Profil

Leider wird auch immer noch gerne ein sogenanntes BARF-Profil verkauft. Dabei ist die Mehrzahl der dort erhobenen Parameter gar nicht aussagekräftig. Was zum Teil sogar auf der Auswertung selbst steht oder auf den Internetseiten der jeweiligen Anbieter.

Welche Werte davon betroffen sind, ist in einem eigenen Artikel erläutert: BARF-Profil

Was muss man beachten?

Ein Blutbild sollte meiner Meinung nach nie für sich allein analysiert werden.

Folgende Fragen sollten immer gestellt bzw. beantwortet werden:

  • Warum soll ein Blutbild gemacht werden?
  • Welche Symptome gibt es?
  • Wie lang bestehen die Symptome?
  • War der Hund ausreichend lange nüchtern?
  • Was ist die Frage, die mit dem Blutbild geklärt werden soll?
  • Welche Werte werden genau benötigt?

Typische Fehler

Nüchtern

Vor allem für Leber- und Nierenwerte, aber auch für die Analyse der Funktion der Bauchspeicheldrüse ist es wichtig, dass der Hund ausreichend lange nüchtern war.

Das bedeutet: In den 12 Stunden vor der Blutabnahme sollte der Hund nicht gefressen haben. Auch kein Leckerli zum Einsteigen ins Auto oder für das Betreten der Tierarztpraxis.

Wasser darf der Hund natürlich wie gewohnt trinken. Er sollte aber auch nicht zum Trinken animiert werden.

Diagnose nicht erklären lassen

Lass Dir die Diagnose genau erklären. Frage nach, wenn Du etwas nicht verstanden hast. Sofern Du nicht als Notfall in die Tierarztpraxis gekommen bist, ist es nicht notwendig, sofort über eine Therapie zu entscheiden.

Fragen, die Dir helfen können sind:

  • Wie hängen die Abweichungen zusammen?
  • Welche Symptome passen zu der Diagnose und welche nicht?
  • Wie würde sich eine Verschlechterung auswirken? Kommen neue Symptome dazu oder werden die bisherigen schlechter?
  • Wie würde man erkennen, dass sich etwas verbessert?
  • Was könnte es außerdem noch sein?
  • Dient die angedachte Therapie dazu, die Diagnose abzusichern?

Tipps

Lass Dir die Werte immer ausdrucken oder zuschicken. Bei vielen Erkrankungen ist es sinnvoll, den Verlauf über die Zeit nachvollziehen zu können. Auch wenn man mal die Tierarztpraxis wechselt.

Mache möglichst ein Checkup-Profil, wenn dein Hund noch jung und gesund ist. Es kommt immer mal vor, dass ein Hund mit einzelnen Werten außerhalb der Referenz liegt, dabei aber kerngesund ist. Wenn man das vom eigenen Hund weiß, hilft es in höherem Alter Abweichungen besser beurteilen zu können.